[Eine junge Frau, gerade 18 Jahre, hat wütend ihr Elternhaus verlassen und ist nun obdachlos, Alkohol und Drogenabhängig. Der Bodyguard Joe schleppt sie mit Versprechungen über einen Arbeitsplatz in einer Bar in sein Auto und bringt sie zu dem Anwesen seines Dienstherren. Dort erlebt sie den Widerspruch des Luxus eines exklusiven Bades und Wellnessbereichs und des Outfits und der Behandlung einer weiblichen, sexuell begehrten Marionette. In einem besonders reizvollen Body mit entsprechendem Zubehör bekommt sie den Auftrag von Sorien, einer Art Hausdame, sich lächelnd und still im Garten in der Nähe dieses reichen Mannes hinzustellen und auf seine Reaktion zu warten.] Dies geschah bisher!


Die Sonne brennt auf meine Schultern und den Kopf, und meine Füße fangen an zu schmerzen. Wie gerne würde ich wieder auf dem kleinen Hocker vor dem Spiegel sitzen. Mein Lächeln wird immer verkrampfter, meine Füße und Beine ebenfalls. Ich spüre, dass ich beobachtet werde, als sich plötzlich meine linke Wade durch einen Muskelkrampf schmerzhaft zusammenzieht und ich gequält aufschreie. Mein Bein haltend stürze ich zu Boden und weine haltlos.
„So, so, dass ist also Joes neue Entdeckung. Keine Haltung, erbärmlich laut, schlechter Teint, keine Figur, kein Benehmen. Was hat Joe sich dabei gedacht. Ratten gehören vergiftet.“ Mit einem Schluchzen drehe ich mich um. Hinter mir steht ein hochgewachsener Mann, etwa Mitte 30, sonnengebräunt, kräftig gebaut, gut gekleidet. Neben ihm steht Sorien. Sie lächelt. „Ja, und sie will in einer unserer Bars servieren, hat Joe gesagt.“ Der Mann lacht kurz und herzhaft, dreht sich um und geht wieder ins Haus. „Du weißt, was du zu tun hast, Sorien“, bemerkt er noch und verschwindet.
Sorien starrt mich böse an. „Kannst du dich noch an das einzige Gesetz erinnern, an das du dich hier zu halten hast? Mein Wort ist Gesetz. Du solltest gerade und lächelnd stehen bleiben. Von Schreien und Hinlegen habe ich nichts gesagt. Du hast unseren Hausherrn sehr enttäuscht und Joe in ein schlechtes Licht gesetzt. Man hat sich viel Mühe mit dir gegeben. Kannst du dich wenigstens daran erinnern, was passiert, wenn du dich nicht an mein Wort hältst?“ Noch immer mein schmerzendes Bein reibend spüre ich Wut in mir hochsteigen. Was hatte der Hausherr gesagt, Ratten gehören vergiftet! Also steht mein Urteil doch schon fest. Was kann mir mehr passieren. Ich reiße die verflixten Schuhe von den Füßen und stehe, meine schmerzende Wade immer noch massierend, auf. „Ja, dein Wort ist Gesetz. Und warum habt ihr beiden mich hier so lange stehen lassen, bis ich zusammengebrochen bin? Bis ich einen Wadenkrampf bekommen habe? Ihr wolltet doch gar nicht, dass ich eurem dämlichen Gesetz Folge leisten kann. Und jetzt vergiftet schon die Ratte, sonst beißt sie euch noch in den Arsch!“ Ich versuche mich nun gerade hinzustellen.
Sorien lacht heiser auf, und im selben Moment spüre ich einen kleinen Stich am Oberarm. Verwundert schaue ich sie an, als sich meine Welt zu drehen beginnt und in grauen Wolken versinkt.
Mein Kopf dröhnt und klopft. Ich kann meine Augen kaum öffnen. Hab ich gestern schon wieder zu viel gesoffen und gekifft? Ich kann mich kaum erinnern. Ich atme noch mal tief durch. Jetzt einen Kaffee und eine Zigarette. Langsam fange ich an mich zu bewegen. Erschrocken halte ich inne. Ich bin nackt, aber mir ist nicht kalt. Ich nehme all meinen Mut zusammen und öffne meine Augen ein wenig. Es ist fast völlig dunkel. Nur durch einen Schlitz unter einer Türe kommt ein wenig Licht in den Raum. Ich liege auf einer dünnen Gummimatte, und mehr kann ich nicht erkennen. Ich schließe meine schmerzenden Augen wieder und versuche mich zu erinnern. Jetzt taste ich mich ab, aber ich scheine nicht verletzt zu sein. Da überwältigt mich ein Übelkeitsschauer und ich würge eine bittere Flüssigkeit hoch, die ich einfach irgendwohin ausspucke. Dann bemerke ich, dass meine Finger und meine Haut kleben und feucht sind; ein ekeliger Geruch von Schweiß und Fäkalien steigt in meine Nase und ich würge erneut bittere Flüssigkeit hoch.
Von einem plötzlich aufflammenden hellen Licht geblendet kneife ich meine Augen zusammen, und drücke mich an die Wand hinter mir. Während ich vorsichtig die Augen wieder öffne, höre ich, wie ein Schloss geöffnet wird und dann das leise Quietschen einer Türangel. Blinzelnd sehe ich, dass Joe vor mir steht. „Äh, dat war nich gut, Süße. Kanns doch nich den Boss eine reinwürgen. Ich dachte, dat kannse besser.“ Dann dreht er an der Düse des Schlauchs, den er in der Hand hält, und spritzt mich von oben bis unten mit kaltem Wasser ab. Entsetzt schreie ich auf. Aber egal, in welche Ecke ich krieche, Joe hält den Schlauch unerbittlich auf mich. Als er das Wasser abdreht, schlottere ich vor Kälte und sehe ihn fassungslos an. Ich erinnere mich plötzlich wieder: Das Bad mit den goldenen Wasserhähnen, Sorien, die Mädchen, die mich geschminkt haben und der komische Typ, der mich zur Ratte degradiert hat.
Der Raum ist höchstens 3 mal 3 Meter groß und nur mit der Gummimatte und einer Senke in der Mitte versehen. Noch sind Spuren von Kot auf dem Boden, die Joe wohl von der Matte und mir abgespült hat. Er drückt mir den Schlauch in die Hand und erst jetzt sehe ich, dass sein Gesicht auf der linken Seite geschwollen ist. Neben dem Auge hat er eine frische Naht. „Wo ist das denn her?“, frage ich ihn, doch er befiehlt mir nur den Raum mit dem Schlauch gründlich zu säubern. Danach dreht er mich hin und her, hält den Schlauch noch mal hierhin und dahin, bis ich ganz sauber bin, und dann verlassen wir den Raum.
Nackt, wie ich bin, führt er mich durch den Garten, immer eine Hand an meinem Oberarm. Ich hoffe, dass uns niemand sieht, bezweifele es aber gleichzeitig. Er führt mich auf die Terrasse, auf der ich schon vor, ja, vor wie langer Zeit eigentlich, gestanden habe. „Bleib gerade und lächelnd hier stehn“, sagt Joe noch, dann ist er wieder weg. Es geht ein leichter kalter Wind und ich friere. Ich zittere ein wenig, versuche es zu unterdrücken und bringe wieder und wieder ein Lächeln in mein Gesicht. Das Zittern in meinen Beinen wird immer stärker und meine Angst umzufallen wird fast zu einer Panik. Ich habe das Gefühl, auf einer Tretmine zu stehen, und wenn ich nicht stehen bleibe, geht mit mir die gesamte Welt unter. Meine Kehle ist trocken und brennt immer noch von der bitteren Flüssigkeit, die nach wie vor in kleinen Schüben in mir hochsteigt. In meinem Kopf dröhnen im Wechsel mit meinem Atem nur vier Worte: stehen – lächeln - einatmen – ausatmen - stehen – lächeln - einatmen – ausatmen. Irgendwann, mir kommt es vor, als wären inzwischen Tage vergangen, höre ich Schritte hinter mir. Ich wage es nicht, mich umzudrehen. „Tja, Joe“, höre ich die sonore Männerstimme sagen, die mich beim letzten Mal als Ratte bezeichnet hatte, „sollte ich mich getäuscht haben? Brauchte die Kleine nur ein wenig Aufmunterung, damit sie besser zuhört?“ Dann kommen beide Männer in mein Gesichtsfeld.
Joe sieht erleichtert aus, denke ich gerade, als der Hausherr mich zu sich winkt. Ich habe Angst vor ihm, spüre sogar die Angst und den Respekt, den Joe vor ihm hat, dabei ist er bestimmt einen halben Kopf größer und 20 kg schwerer als er. Als ich vor ihm stehe, taxiert er mich genauer. Er untersucht mich wie ein Arzt, schaut mir in den Mund, in die Ohren, streicht mir über die Haut und achtet auf meine Reaktion. „Das große Programm, Joe, vielleicht ist dann bei der Kleinen noch was zu retten. Aber demnächst achtest du besser darauf, was du hier anschleppst. Du kennst die Konsequenzen.“ Danach dreht sich der Hausherr um und geht ins Haus. Joe nickt nur und will mich am Arm packen. Mir wird schwarz vor Augen und ich spüre nur noch zwei Arme, in die ich hineinfalle.
Ein leichtes Klatschen im Gesicht und ein strenger, chemischer Geruch wecken mich aus der Ohnmacht. Ich liege auf einem schmalen Tisch. Noch immer bin ich völlig nackt, und Joe steht neben mir. Er grinst. „Na, wieder wach. Jez schön wach bleiben, Doc kommt gleich.“ Kaum hat Joe den Satz ausgesprochen, geht auch schon die Tür auf und ein junger Mann betritt den Raum. „Hi, Joe, was macht dein Auge? Zeig mal. Aber die Fäden können noch nicht raus, dafür ist es noch viel zu früh. Mindestens 7 Tage müssen die noch drin bleiben.“ Joe dreht sich um und zeigt auf mich. „Hei, wen haben wir denn da? Neuzugang, großes Programm, wie es aussieht. Okay, Joe, du kannst gehen.“ Joe verschwindet, und der Arzt dreht sich zu mir um.
„Du kannst mich einfach Doc nennen, machen alle hier. Ich bin für jedes Wehwehchen, vom abgebrochen Fingernagel bis hin zum Herzinfarkt, also für alles und alle hier verantwortlich. Auch wenn ich nett und jung aussehe, ich bin unbestechlich und merke, wenn jemand mir was vorspielt. Und Lügen ist so gut wie nicht Ungehorsam, alles verstanden?“ Ich nicke nur matt und weiß sofort, dass ich diesen Doc nicht ausstehen kann. Ein junges Mädchen in einem weißen Body und mit weißem Häubchen stellt sich hinter Doc. Auf seine Anweisung hin setzt sie sich an eine Computertastatur und wartet. Doc fängt an mich zu untersuchen und erzählt die ganze Zeit dabei, was er alles entdeckt. Das junge Mädchen tippt es ein. Ich habe nur auf Docs kurze Befehle zu reagieren: Umdrehen, gehen, bücken, Beine oder Arme anheben. Doc schaut mir dabei in alle Körperöffnungen und nimmt mir zum Schluss Blut ab.
Joe nimmt mich vor dem Arztraum wieder in Empfang und bringt mich, die ich immer noch völlig nackt bin, quer durch das Haus, in einen großen Schlafsaal. Dort stehen bestimmt 20 Betten oder mehr. Er führt mich zu einem hin. „Dat is jez deins. Da isn Nachthemd drinne. Kannse anziehn. Ich bring dir gleich noch Wasser, alles annere gib et, wenn Doc dat sacht. Schlaf dich aus, hasse nötich.“ Dann verlässt Joe den Schlafraum, und ich schlüpfe in das knappe, dünne Shirt und dann unter die Bettdecke. Das Bett ist hart und schmal, aber es stört mich überhaupt nicht. Ich will nur noch meine Situation überdenken, als mich der Schlaf ergreift und in traumlose erfrischende Tiefen entführt.


Das geschieht zwischenzeitlich:

[Doc saniert so einige Kleinigkeiten, unter anderem die Zähne, teilweise ohne Betäubung, weil die junge Frau sich nicht an die Regeln hält, die ihr auferlegt werden. Er verordnet ihr ein fast unmenschliches Fitnessprogramm, dass sie gar nicht schaffen kann. Außerdem bekommt sie einen Ernährungsplan aus einem fasrigen, geschmacklosen Brei und Getränken mit Zusätzen ohne Geschmacksverbesserer. Ihr Name wird A17, so wie alle, die dort im Trainingslager nur Nummern haben.]

„Und nun zu dir. Du brauchst also alles, Kondition, Muskeln, gute Haltung, das komplette Programm. So mag ich es am allerliebsten. Wir werden die nächsten Wochen ein prima Team werden, und du wirst mich hassen! Aber das gibt sich, denn ich bin ein wirklich prima Kerl. Wenn du Probleme oder Schmerzen hast, komm damit sofort zu mir, denn nur dann kann ich erkennen, ob das Training für dich in der richtigen Sequenz verläuft. Aber lüge mich nicht an, um es dir leichter zu machen, ich sehe es an jeder deiner Bewegungen, ob es stimmt oder nicht. Hast du das verstanden?“ Mit einem zaghaften Nicken versuche ich mich nach B12 umzuschauen. „Kannst du nicht sprechen, A17? Wenn ich dich etwas frage, erwarte ich eine deutliche Antwort. Nur so können wir miteinander gut kommunizieren, klar?“, herrscht Wolfram mich an, und noch während ich zusammenzucke antworte ich ihm. „Ich habe es verstanden. Nur ich war noch nie in so einem Fitnesscenter. Mir ist das alles neu.“
Wolfram führt mich daraufhin zu einem Fahrrad. „Dies ist ein Ergometer, auf dem neusten Stand der Technik. Dort wirst du einige Stunden in der nächsten Zeit verbringen, damit wir deine Kondition ein wenig aufpeppen und ein paar nette Muskeln an deine dürren Stelzen bekommen.“ Während er mir ein Armband umlegt, redet er weiter. „Dieses Armband hat mehrere Funktionen. Zum einen misst es deinen Puls und deine Körpertemperatur sowie deine Schweißabsonderung. Aber, und das ist das Besondere bei uns, wenn du die eingestellten Parameter nicht erreichst, wirst du es merken. Und vergiss nicht: wie überall in dieser Schule, es ist ein gutes Maß an Ruhe angesagt. Fürs erste werden wir dir 15 Minuten bei 100 Watt auf gerader Landstraße gönnen. So, dieses Ergometer ist eingestellt. Mit dieser Karte kannst du jedes Gerät hier im Raum auf die von Doc oder mir vorgegebenen Trainingsparameter einstellen. Nur das Armband anschließen, und los geht es. Jeden Morgen liegt in deinem Trainingsschrank ein Trainingsplan. Wenn du nicht weißt, wie ein Gerät funktioniert, kannst du jeden fragen, der einen braunen Trainingsanzug trägt. Die Karte bleibt immer hier in deinem Schrank liegen, wenn du nicht trainierst. Hast du alles verstanden?“ Ich schlucke, während ich langsam auf das Rad klettere. „Ich glaube schon. Wenn mir etwas unklar sein sollte, kann ich dann noch mal nachfragen?“ – „Wenn es keine unsinnigen Fragen sind, darfst du jederzeit fragen, das gehört zu den Gesetzen. Lerne sie und dein Leben verläuft sehr angenehm. Und nun los. 15 Minuten strampeln, das wirst du doch wohl schaffen. Ich komme gleich wieder.“
Dann dreht Wolfram sich um, und ich trete in die Pedalen. 100 Watt, puuuh, ganz schön anstrengend. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich überhaupt das letzte Mal Rad gefahren bin. Als Kind, auf so einem bunten Ding. Ich merke, wie mein Atem schneller wird und mir der Schweiß auf der Stirn ausbricht. Dabei ist gerade erst eine Minute um. Ich konzentriere mich auf die große Anzeige am Lenkrad und beginne zu keuchen. Noch 15 Sekunden, dann habe ich die 2. Minute geschafft. Oh man, mein Herzschlag geht rapide nach oben, mir wird heiß und meine Beine wollen die monotone Arbeit gegen den Widerstand nicht machen. Ich rutsche, je nachdem welches Bein die Arbeit zu leisten hat, auf dem Sattel nach rechts oder links. Noch zeigt die Digitalanzeige knapp über 100 Watt an, und die 4. Minute beginnt. Mein Herzschlag liegt nun schon bei 130 und der Schweiß tropft mir von der Nase und läuft mir den Rücken hinunter. Ich will runter von diesem Ding. Ich kann nicht mehr! Mein Atem geht stoßweise, mein Herzschlag überschreitet die 140, der Schweiß strömt überall aus mir heraus, mir wird schwarz vor Augen. Ich sehe gerade noch die 5 Minuten und die 96 Watt auf dem Anzeigefeld, da durchfährt mich ein schmerzhafter elektrischer Schlag, der von dem Armband ausgelöst worden ist. Wie vom Blitz getroffen, völlig bewegungsunfähig, sitze ich auf diesem Rad. Kein Ton kommt über meine Lippen. Wolfram steht grinsend neben mir. „Das ist aber äußerst schwach. Aber man kann den Kids ja noch so viel über Alkohol, Drogen und Zigaretten erzählen, sie wollen es nicht glauben. Aber du bist ja noch in der Ausbildung, da will ich mal gnädig sein.“ Dann bindet er mir die Füße an den Pedalen fest, die Hände am Lenkrad, schnallt mir eine Art Korsett um, in dem ich völlig gerade dasitze und schiebt seine Karte in den Leser. Das Rad beginnt sich plötzlich von alleine zu bewegen, und ich muss mitstrampeln, ob ich will oder nicht. Ein Blick auf die Anzeige lässt mich erblassen. Dort läuft die Uhr rückwärts von 60 Minuten bis auf Null.
Ich zittere am ganzen Körper, als das Ergometer endlich zum Stillstand kommt. Schweiß läuft mir in Strömen über Gesicht und Rücken und ich fühle mich einer Ohnmacht nahe. Wolfram steht grinsend neben mir. „Und wie hat dir der kleine sportliche Einsatz gefallen? In ein paar Wochen schaffst du das ganz alleine, glaube mir. Und nun wollen wir noch ein wenig Muskelaufbau für die Brust- und Armmuskulatur betreiben.“ Er befreit mich von allen Halterungen und entfernt sich. Ich steige von Rad, um ihm zu folgen, doch meine Beine versagen und ich breche neben dem Ergometer zusammen. Meine Versuche, wieder auf die zitternden Beine zu kommen, scheitern kläglich, und ich beginne hemmungslos zu weinen. Da fassen mich ein paar kräftige Hände, schleifen mich durch den Raum und legen mich auf eine Bank. In Sekundenschnelle hat man mich darauf fixiert, und entsetzt schaue ich mich mit tränennassen Augen um.
Es ist gar keine Bank, sondern eher eine Art Ruhemöbel mit gegliederten Arm- und Beinelementen, und es steht mitten im Fitnessraum. Mitleidige Blicke treffen mich, und jetzt bekomme ich Angst. „Du hast also keine Lust, dein Sportprogramm zu absolvieren? Nun ja, dem können wir Abhilfe schaffen. Dies ist unsere Trainingsbank für Sportmuffel. Wer sich nicht bewegen will, der wird bewegt. Und da dies bei weitem nicht so effektiv ist, wie die eigene Anstrengung, werden wir die Muskeln ein wenig elektrisch stimulieren. Schließlich bin ich dafür verantwortlich, dass der Hausherr, nach Ablauf deiner Trainingszeit bei mir, mit deinem Muskelaufbau zufrieden ist. Los geht es, meine Liebe“, spricht Wolfram, während er diverse Einstellungen an der Trainingsbank vornimmt und mich zusätzlich mit einer Art EKG-Elektroden verkabelt.
Da durchzucken schmerzhafte elektrische Schläge meinen Körper und Teile der Trainingsbank beginnen sich zu bewegen. Ich schreie unwillkürlich auf, und Wolfram schlägt mir ins Gesicht. „Ruhe, A17, die anderen Trainingsteilnehmer möchten von dir nicht gestört werden.“ Meine Wange brennt, die Tränen laufen, und in regelmäßigen Abständen von wenigen Sekunden durchzucken elektrische Schläge meinen Körper. Dazu vibriert diese Bank an verschiedenen Stellen und meine Arme und Beine werden im Rhythmus zu den elektrischen Aufmunterungen bewegt. Auch mein Rumpf wird immer wieder in andere Stellungen gebracht und gedreht. Alles an mir ist in Bewegung.
Ein hoher Summton drängt sich in mein Bewusstsein und ich spüre ein sanftes Rütteln an meiner Schulter. Ahh, bitte nicht, denke ich noch, Mama lass mich in Ruhe, als das Codewort an mein Ohr dringt. „A17, du musst aufstehen“. Ich öffne meine Augen und die Realität überrollt mich all ihrer Macht und Boshaftigkeit. Meine Bettnachbarin schaut mich an und nickt mir freundlich zu.
Ich kann mich nicht erinnern, wie ich ins Bett gekommen bin. Meine Erinnerungen enden auf diesem elektrisch geladenen Folterstuhl. „Wie bin ich hierhergekommen?“ frage ich die junge Frau und versuche mich zu bewegen. Aber massive Schmerzen halten mich von weiteren Bewegungen ab. Was ist denn das? „Ich habe überall Schmerzen, ich kann mich nicht bewegen, ich bin krank. Was soll ich tun?“, flüstere ich vor mich hin, mit Tränen in den Augen. „Keine Angst, A17, du bist nicht krank. Das ist Muskelkater. Die Helfer von Wolfram haben dich gestern Abend bewusstlos hier ins Bett gebracht. Doc hat dich noch versorgt. Aber jetzt musst du aufstehen, auch wenn Muskelkater wirklich böse schmerzt. Dusche heiß, das wird dir gut tun.“ Sie nimmt mir meine Bettdecke weg und zupft das Pflaster an meiner Armbeuge ab. Ich sehe einen kleinen Einstich.
Mühsam erhebe ich mich und nur schleppend schaffe ich den Weg bis unter die Dusche. Ich spüre jede Faser meines gepeinigten Körpers und brauche lange für die morgendliche Pflege. Einige Mitbewohner helfen mir, und so schaffe ich es mit Mühe und kaltem Schweiß auf der Stirn, zum Essraum. Mein Brei hat heute eine andere Konsistenz und schmeckt auch anders, aber keinesfalls besser. Selbst das Führen des Löffels zum Mund bereitet mir Schmerzen und ich bin froh, als ich diesen Teil hinter mir habe. Ich erhebe mich mit leichtem Stöhnen und mache mich, wie eine alte Frau, auf den Weg zu Doc.
„Du siehst gealtert aus, A17, gefällt dir etwa dein verordneter Sportunterricht nicht? Ja, der gute Wolfram weiß, wie er seine Schäfchen in Bewegung bringt, auf ihn ist Verlass!“ Dann hilft er mir auf den Behandlungsstuhl. Er setzt eine Betäubung und schleift den Backenzahn für die Krone zurecht. Dann setzt er das Provisorium darauf. Doc ist sehr zufrieden mit seiner Arbeit, und auch ich habe ein gutes Gefühl im Mund. Meine Zähne sehen im Spiegel alle strahlend weiß und gesund aus. Ich habe das erste Mal seit Tagen das Gefühl, dass etwas in meinem Leben richtig läuft. Aber dieser kleine Funke Hoffnung erlischt sofort mit der nächsten schmerzhaften Bewegung. Doc rät mir, während meiner intensiven Trainingszeit mehr zu trinken. Wolfram habe im Fitnessraum entsprechende Getränke, die er dort auf Anfrage verteilt. Dann gibt er mir noch eine Spritze in den Oberschenkel, deren Bedeutung mir unklar ist, und ich muss wieder in den Fitnessraum.
Ich habe nie Sport getrieben und kenne keinen Muskelkater. Ich weiß gar nicht, dass ich so viele Muskeln an so vielen verschiedenen Stellen habe. Und jeder einzelne Muskel schmerzt höllisch bei jeder noch so kleinen Bewegung. Im Fitnessraum fängt Wolfram mich direkt ab, noch bevor ich mich umziehen kann. „Und, wie geht es? Oh, Tränchen in den Augen? Ja, so ein böser Muskelkater kann ganz schön wehtun. Die Muskeln rächen sich für jahrelange Faulheit. Damit sie sich heute erholen können, machen wir jetzt ein wenig Wellness. Komm mit.“
Ich folge Wolfram, so schnell ich kann, in den Keller des Sportgebäudes, und reiße erstaunt die Augen auf. Ein Schwimmbecken, der Duft von Saunaaufgüssen, Massagebänke und Ruheliegen bieten ein Bild von Luxus und Wohlbefinden. Eine sportliche Frau, in einem knappen braunen Bikini, kommt uns entgegen. „Ist das A17?“ Wolfram nickt und lässt uns alleine. „Ich bin Zabis und leite die Wasserabteilung des Sporthauses. Dort hinten an der Wand siehst du Regalfächer mit Handtüchern. Du nimmst dir ein sauberes Handtuch aus einem der Regalfächer, ziehst dich aus und legst deine Kleidung in das leere Regalfach. Hier sind alle, bis auf die Mitarbeiter der Wasserabteilung, nackt. Danach kommst du bitte zu der Kabine mit den roten Vorhängen.“ Zabis geht, und bemühe mich, so schnell wie möglich den Befehl auszuführen.
Mit dem Handtuch unter dem Arm stehe ich kurz darauf vor der besagten Kabine. Eine kleine, zierliche Frau, älteren Datums, kommt lächelnd auf mich zu. „Na, dann wollen wir mal, A17, eine kleine Muskelkaterbehandlung soll es werden.“ Sie nimmt mein Handtuch, breitet es auf der Liege in der Kabine aus, und ich muss mich mit dem Rücken darauf legen. Ich weiß gar nicht, wie ich die Behandlung beschreiben soll. Es ist eine Mischung aus Massage, Streicheln, Eincremen und Schlagen mit der flachen Hand. Teilweise ist es angenehm und teilweise stöhne ich vor Schmerz laut auf. Meine Behandlerin hat sehr viel Kraft in ihren kleinen, schlanken Fingern und findet immer wieder Stellen, die sie mit einem Finger oder dem Daumen so stark drückt, dass ich das Gefühl habe, sie kann ihn mir tief in den Körper hineinbohren. Zum Schluss reibt sie mich von oben bis unten mit einem intensiv duftenden Öl ein. „Das hätten wir geschafft. Spätestens Morgen wirst du dich besser fühlen. Jetzt darfst du 30 Minuten ruhen, danach ist Mittagszeit. Du wirst hier essen, damit wir heute mehr Zeit füreinander haben.“
Nach dem Essen darf ich noch ein wenig ruhen. Zabis holt mich ab. Ich sehe mehrere Männer und Frauen im Schwimmbecken schwimmen. Auch ich muss dort hinein, und soll mich eine Stunde schwimmend über Wasser halten. Das Becken ist so tief, dass ich mich nicht hinstellen kann, und den Rand darf ich nicht anfassen. Meine schlechten Schwimmkünste und der Muskelkater, der nun noch gegen den Wasserwiderstand arbeiten muss, erschweren mir die Aufgabe. Ich schlucke immer wieder Wasser und gehe kurz unter. Niemand scheint Notiz davon zu nehmen. Die Zeiger der großen Uhr an der Wand bewegen sich noch langsamer als ich, und es steigt bei jedem Wasserschlucken oder Untergehen ein wenig mehr Angst in mir hoch. Die werden mich doch nicht absaufen lassen? Nein, dafür geben sie sich einfach zu viel Mühe mit mir. Keine Panik - schwimm weiter - beweg dich - nicht nachlassen - beweg dich – schwimm weiter- keine Panik, dreht sich mein Gedankenkarussell. Aber nach einer halben Stunde lassen meine Kräfte einfach nach, ich gehe erneut unter, komme nur mit Mühe an die Oberfläche und rufe keuchend um Hilfe. Ich verstehe nicht, was Zabis ruft, aber ein paar starke Hände bringen mich an den Rand, und ich halte mich dort dankbar fest. „Ich wollte es nicht glauben, aber es ist tatsächlich so, dass du sportlich völlig untauglich bist. Komm raus aus dem Becken, bevor du mir komplett ertrinkst. Dann gibt es eben das Alternativprogramm.“
Mühsam und mit viel Unterstützung einer Mitarbeiterin der Wasserabteilung komme ich aus dem Becken heraus und folge Zabis. Alternativprogramm? Wieder so eine Folterbank, auf der man zwangsbewegt wird? Mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken und eine Gänsehaut bildet sich auf meinen Armen. Zabis lacht leise auf, als sie sich zu mir umdreht. „Wenn du auch unsportlich bist, Gefühle scheinst du ja zu haben. Dann werden wir für ein wenig mehr Wärme in deinem Leben sorgen. Dies ist der Saunabereich. Doc hat angeordnet, dass du hier alle zwei Tage Anwendung hast. Leander wird dafür sorgen, dass du es richtig lernst, denn ab dem dritten Mal wird niemand mehr für diese Anwendung für dich abgestellt.“ Dann übergibt Zabis mich an einen jungen, muskulösen Mann in einer sehr knappen Badehose.
In der Sauna ist es heiß und angenehm. Leander erklärt mir genau, wie lange und wie oft ich in diese heiße Stube darf. Danach muss ich in ein eiskaltes Becken eintauchen. Aber das ist gar nicht so schlimm, wie ich es befürchtete. In eine Decke eingekuschelt auf der Liege ruhen, ist mir das Liebste an dieser Anwendung. Es ist so wunderbar für mich, dass ich fast vergesse, wo ich bin. Nachdem ich drei Mal in der Sauna war, und erschöpft aber gut gelaunt auf der Liege ruhe, reißt mich eine wohlbekannte Stimme aus meinem Halbschlaf. „Ah, A17, da bist du ja. Ausruhen kannst du ja schon ganz prima. Jetzt wollen wir aber daran arbeiten, dass es mit dem Sport genauso gut wird.“ Wolfram und Doc stehen neben meiner Liege und schauen mich grinsend an. Ich beeile mich aufzustehen und mich lächelnd und gerade hinzustellen. „Na schau mal einer an, A17 ist doch lernfähig“, grient Doc Wolfram an. „Dürfen wir doch noch Hoffnung für die Kleine haben? Wenn sie jetzt noch irgendwelche Talente zeigt, dann wäre auch der Hausherr zufrieden. So ist er mittlerweile echt sauer auf sie. Er steckt viel Geld und Geduld in sie, und sie versagt am laufenden Band. Wie ist ihr denn der Bewegungsmaxx bekommen, Wolfram?“ Mit dieser Frage setzen sich beide Männer in Bewegung, und ich folge ihnen. Doch an der Treppe zum Fitnessraum bleibe ich stehen. Ich bin immer noch nackt. Ich will mich umdrehen, um meine Anziehsachen zu holen, da herrscht Wolfram mich böse an: „Was hast Du vor, A17?“- „Ich habe vergessen meine Anziehsachen mitzunehmen“, bringe ich stotternd hervor. Doch Wolfram lacht nur rau auf: „Glaubst Du wirklich, dass du etwas zum anziehen verdient hast?“ Beschämt senke ich meinen erröteten Kopf und möchte die Blicke der anderen Trainingsteilnehmer gar nicht erst sehen.
Ich werde wieder auf diesem Bewegungsmaxx fixiert, der diesmal in einem separaten Raum steht. Wolfram will seine Karte in die Bedienungsleiste stecken, doch da sehe ich nur ein leichtes Grinsen in Docs Gesicht. „Lass mal, ich mach das schon. Ich ändere ein wenig den Trainingsplan. Schließlich hat die Kleine gelogen, als sie sagte, sie könne schwimmen.“ Doc steckt seine Karte in das Lesegerät und tippt auf der Tastatur einiges ein. „So, meine Süße, nun viel Spaß, und damit du mir nicht verhungerst und verdurstest, sorge ich ein wenig für Abhilfe.“ In der Zwischenzeit hat jemand ein Infusionsbesteck herbei gebracht, welches Doc mir nun am Unterarm anlegt. Über dem Bewegungsmaxx ist ein Haken, an dem eine große Glasflasche mit der Infusionslösung angebracht wird, und als sie gut läuft, drückt Doc auf den Startknopf. Die Maschine legt los und ich werde in alle möglichen Richtungen bewegt, meine Arme, Beine, mein Oberkörper, Becken, Kopf, sogar die Hände und Füße werden bewegt. Dazu zuckt Strom durch meinen Körper. „Hier wirst du nun eine Weile verbringen, mein Schatz. Wolfram wird darauf achten, dass es dir an nichts mangelt. Deine Notdurft kannst du einfach unter dir lassen, die kannst du später dann entsorgen.“

Die Sonne scheint mir ins Gesicht und ich fühle kühles Gras unter meinem Rücken. Vorsichtig öffne ich die Augen. War das alles ein Alptraum? Bin ich endlich aufgewacht? Ich liege doch bestimmt im Park auf der Wiese. Aber wieso spüre ich das Gras im Rücken? Ich bewege mich ganz vorsichtig. Ich bin nackt. Aber die Sonne spüre ich nur im Gesicht. Was ist los mit mir? Ich versuche mich aufzurichten, aber mein Körper gehorcht mir nicht richtig. Meine Arme und Beine sind schwer wie Blei, mein Kopf beginnt zu pochen, mein Bauch fängt an zu zittern. Da legt sich ein Schatten über mein Gesicht. „Herr, sie is wach!“, höre ich Joes Stimme. „Bring sie her“, ist die lapidare Antwort, aus der Ferne, von irgendwoher. Alles um mich herum ist wie in Watte gepackt. Mein Mund ist trocken, ich kann ihn nicht einmal öffnen. Joe versucht mich an den Händen hochzuziehen, doch meine Beine versagen immer wieder und ich falle zurück ins Gras. Sie sind wie Gummi und scheinen gar nicht zu mir zu gehören. „Streng dich an, sons könnte dat dein Ende sein und meins auch“, höre ich Joe flüstern. Ich versuche meine Beine zu kontrollieren und in einen halbwegs sicheren Stand zu kommen, und nach einiger Zeit gelingt es mir auch.
Torkelnd, von Joe gestützt, gehe ich auf eine Gruppe von mehreren Personen zu, die dort sitzt. Ich erkenne den Hausherrn, Wolfram, Doc, Zabis und Sorien. Die vier anderen Personen, drei Männer und eine Frau, sind mir nicht bekannt. Mit jedem Schritt gewinne ich etwas mehr Sicherheit und kann am Ende alleine vor der Gruppe stehen bleiben. Ich versuche zu lächeln, aber es gelingt mir nicht. Ich fühle mich schmutzig und ausgeliefert, wie ein Stück Vieh auf einer Auktion. Aber niemand fasst mich an oder spricht mit mir oder über mich. Alle schauen mich bloß kurz an und drehen sich wieder weg. Meine Gedanken rasen wie wild durch meinen Kopf. Was ist mit mir gewesen, warum habe ich auf der Wiese im Freien gelegen, wieso habe ich so ein komisches Körpergefühl und vor allem: weshalb stehe ich jetzt hier? Ich wanke zwischendurch immer wieder, und Joe stützt mich dann sanft von hinten. Er scheint auch hier stehen bleiben zu müssen. Da lacht die gesamte Gruppe laut auf und Doc kommt auf mich zu. „So, so, du bist also wieder wach. Wolfram und Joe haben sich schon ernsthaft Sorgen um dich gemacht. Aber deine Sorte ist zäh. Ich kenne euch alle und mir ist noch keine von euch unter meinen Fittichen weggestorben. Das mag unser Hausherr ja so an mir. Und ich bekomme euch alle fit für seine Geschäfte. Schau dich doch mal an. Ein bisschen von meinem Wundercocktail und ein paar Stunden auf dem Bewegungsmaxx und du siehst doch schon um einiges besser aus. Okay, du musst noch gesäubert und fertig gemacht werden, aber deiner Figur war es bereits nützlich.“
Ich schaue bei seinen Worten an mir herunter, und entdecke tatsächlich Muskelansätze an meinem Bauch, an den Beinen und auch an meinen Armen. Und ich sehe Kot und Dreck an mir. Ich sehe entsetzlich aus. Tränen laufen mir über die Wangen, ich kann es nicht verhindern. „Na, das ist doch kein Grund zum Heulen. Oder sind das etwa Freudentränen über den Figurgewinn? Wolfram wird mit dir weiter daran arbeiten. Und wenn du nicht ordentlich mitmachst, habe ich noch mehr solcher Spielchen auf Lager. Bis jetzt habe ich jeden noch so trostlosen Fall hinbekommen. Obwohl du es uns wirklich schwer machst. Man könnte meinen, dein Leben und deine Gesundheit sind dir nichts wert.“ Doc schubst mich weiter auf die Sitzgruppe zu. Der Hausherr dreht sich um.
„Muss die stinkende Ratte so nah bei uns stehen, Doc? Da vergeht einem ja jeder Appetit. Joe soll sie erst säubern, am besten da, wo wir es sehen können. Dann kann sie noch mal kommen.“ Joe ergreift unsanft meinen Arm und zieht mich mitten auf die Wiese. Dort liegt ein Gartenschlauch, den ich jetzt erst entdecke. An der Schlauchspitze ist eine grobe Bürste angebracht, und mit dieser sowie dem harten Wasserstrahl aus dem Schlauch reinigt Joe mich sehr gründlich. Ich traue mich nicht zu jammern, obwohl meine Haut mittlerweile wie Feuer brennt und knallrot ist. Das kalte Wasser hat mir den letzten Rest Lethargie genommen und ich sehe, dass Joe einen kahlgeschorenen Kopf hat. Auch sieht er sehr verstimmt aus und schaut mich böse an. Als er mit mir fertig ist, bringt er mich wieder zum Hausherrn zurück.
„Aha, jetzt kann man dich vom Geruch her ertragen. Du kostest mich eine Menge Geld und Geduld. Noch weiß ich nicht, wie ich das wieder rein bekommen soll, und ich bin Geschäftsmann, ich arbeite nicht gerne mit Verlusten. Wenn du dir noch einmal etwas zu Schulden kommen lässt, wenn du noch einmal versagst, dann sehe ich nur eine Lösung, damit ich noch ein wenig Gewinn mache. Ich tue dies nur sehr ungern, ich gebe meine Schüler und Schülerinnen gerne in einem Stück ab. Aber wenn du nichts taugst, verkaufe ich dich stückchenweise an unseren Organhändler. Ist dir das klar? Hast du mich verstanden?“ Die letzten Worte kommen hart und bestimmt, und ich zucke bei jedem zusammen. Ich bin unfähig zu antworten und nicke nur. Joe stößt mich unsanft in den Rücken und ich quäle mir ein hauchzartes „Ja, Herr“ heraus.
Dann bin ich entlassen, und Joe führt mich in den separaten Raum im Sporthaus. Dort steht in der Mitte der Bewegungsmaxx. Alles ist voller Kot, Urin, Schweiß und Erbrochenem und es stinkt fürchterlich. Joe zeigt auf einen Schrank mit Putzutensilien, und ich muss alles gründlich säubern. „Wie lange war ich hier drin, Joe?“ Joe sieht mich grimmig an. „Zehn oder elf Tage, weiß nich so genau.“

So geht es weiter:

[Auch Joe, der Bodyguard hat Federn gelassen. Das System besagt, dass jeder, der einem etwas falsch beibringt oder etwas falsch mitteilt, genauso mit einer Strafe haftet, wie der oder die, der den Fehler macht. Joe musste eine Niere an die Organhändler spenden. Als A17 dies mitgeteilt wird und ihr die Macht dieses „Herren“ wirklich klar wird, fängt sie an zu funktionieren. Sie beginnt sich mit ihrer Situation abzufinden und macht gleichzeitig zwei Ausbildungskurse. Einen Benimmkurs und einen Tanzkurs. Die Hausdame, auch eine Bedienstete in hoher Stellung, stellt sie auf eine besondere Probe und lässt sie als letzte eine schwierige Prüfung machen.]

Sorien kommt mit einem großen Tablett wunderschöner, hauchzarter Gläser herein. Sie stellt es auf ihrem Tisch am Fenster ab. Dort steht bereits ein großer Krug mit Wasser. Einzeln müssen wir vortreten, uns ein Glas Wasser eingießen und es in mehreren Etappen trinken. Dabei darf kein Tropfen danebengehen, kein Lippenstift darf am Glasrand sein, und die Handhaltung muss ebenso perfekt sein wie die Kopfhaltung. Ich bin zuletzt dran. Meine Hand zittert vor Angst, und Sorien schaut mich aus großen Augen fragend an. Vorsichtig gieße ich mir das Glas bis ziemlich genau 2 cm unter dem Rand voll. Das habe ich geschafft, denke ich erleichtert. Dann nehme ich das Glas und trinke es leer. Es gelingt mir perfekt. Doch als ich es hinstelle, zittert meine Hand wieder so sehr, dass ich ein anderes Glas anstoße und beide Gläser umfallen. Mein Glas hat einen Sprung. Entsetzt stoße ich einen Schrei aus. Sorien ohrfeigt mich auf der Stelle. „Ungeschickte Missgeburt. Gehe sofort zu Doc. Der Hausherr hat Recht, dich kann man nur an den Organhändler verhökern.“ Ihre Stimme bebt vor Wut. So unkontrolliert habe ich sie noch nie gesehen. Ich falle vor ihr auf die Knie, umfasse ihre Füße, weine und bebe. „Bitte, Sorien, nein, nicht, es wird nie wieder vorkommen. Du kannst mich doch nicht wegen eines umgefallenen Glases in den Tod schicken, bitte, Sorien, bitte.“ Ich kann vor Schluchzen nicht weiter sprechen. Die anderen Schüler sind starr vor Schreck. Sorien befreit sich mit einem Tritt in mein Gesicht und meine Nase beginnt zu bluten. „Sieh nur, jetzt verunreinigst du auch noch den ganzen Klassenraum. Verschwinde zu Doc. Sofort! Oder soll ich dich dorthin bringen lassen?“
Ich kann mich vor Schreckensstarre nicht bewegen und bekomme nicht mit, wie Sorien Hilfe herbei ruft. Joe und ein weiterer Mann kommen herein und schleifen mich zum Doc. Joes Gesicht hat einen bitterbösen Ausdruck. Ich zittere vor Angst und versuche zu flüchten, doch der Griff der beiden Männer ist unerbittlich. Schnell haben sie mich auf dem Behandlungsstuhl fixiert, und ich schreie laut um Hilfe. Joe schlägt mich ins Gesicht, viel fester als Sorien, und ich habe das Gefühl, mein Schädel platzt. Mein Schreien wird zu einem Wimmern und ich schmecke Blut in meinem Mund.
„Na, wen haben wir denn da? Du bist ja ein seltener Gast geworden. Ich hätte dich fast nicht wiedererkannt. Sorien hat mich schon informiert. Du hast eines ihrer guten Gläser zerstört. Dabei hat sie sich solche Mühe mit dir gegeben. Und nun verlangt sie, dass du dem Organhändler übergeben wirst. Guter Plan, mal hören, was der Hausherr dazu sagt.“ Dann dreht er sich um und spricht leise in sein Armband. Mit einem höhnischen Grinsen dreht er sich wieder zu mir um. „Gut, dann wollen wir mal. Joe, gib mir bitte ein Infusionsbesteck aus dem Schrank hinter dir.“ In Todesangst kreische ich hysterisch los, und Joe schlägt erneut zu. Diesmal mit der Faust. Ich höre etwas in meinem Kopf knacken, dann ist alles schwarz.


Ob Sie es weiterlesen können, kann nur ein Verlag bestimmen, der bereit ist, den Roman, bzw. die Trilogie auch zu veröffentlichen.